Sex im Terminkalender - Ein "MUST DO"

Es ist komisch, für alles haben wir Zeit und nehmen sie uns wann immer uns danach ist. Ruft ein Freund an und fragt ob wir ein Bier trinken gehen, sind wir Männer dabei. Klingelt eine Freundin durch, dauert das Gespräch selten weniger als 30 Minuten. Wenn man die vergeudete Zeit hinzunimmt, die wir Tag für Tag damit verbringen Facebook, Instagram, Snapchat usw. zu checken kommen wir auf eine erhebliche Stundenanzahl, die wir einfach so an Lebensqualität verschwenden. Und ich meine wirklich zum Fenster hinausschmeißen. 

Abends sind wir dann müde oder "gebrainfucked" durch die eine Million sinnlosen Informationen, die wir uns tagsüber reinziehen und die so viel Lebenszeit rauben. Wie soll man da noch Lust haben seine Partnerin oder seinen Partner abends zu beglücken. Eher nicht, ist ja sowieso immer das Gleiche oder es wird nur lieblos reingesteckt und abgespritzt. Versteht mich nicht falsch - nichts spricht gegen einen heißen, leidenschaftlichen Quickie, aber so richtig Zeit für das Liebesspiel nehmen wir uns nur noch selten. Die Abläufe sind zu eingespielt, der Alltag hat übernommen. Dabei sollte sich doch wirklich jeder darüber im Klaren sein, wie schön und erfüllend ein ausgiebiger Orgasmus sein kann. 

Wie schön es ist, von seinem Mann und seiner meist unbeholfenen Zunge verwöhnt zu werden. Stundenlang können wir so liegenbleiben und uns lecken lassen bis das große Feuerwerk uns nahezu explodieren lässt. Seinen Liebsten einmal gemütlich auf die Couch zu setzen und hingebungsvoll in die Knie zu gehen und ihm eine Schwanzmassage zu verpassen, die er seinen Lebtag nicht vergessen wird. Um dann nach einem ausgiebigen Vorspiel in die nächste Runde zu starten. Und zwar willenlos, mal nicht an anstehende Aufgaben denken, nicht beim Sex über den morgigen Tag grübeln. Einfach fallen lassen, quasi leer im Kopf genießen was mit unseren Körpern passiert.

Wer nimmt sich schon noch genug Zeit für die schönste Nebensache der Welt? Ist es nicht eher so, dass andere, weitaus unwichtigere Dinge unseren Alltag bestimmen. Von alleine denken wir nicht über etwaige Verhaltensweisen nach. Bloß nicht über sich selbst und seine Beziehung nachdenken. Bloß nicht unbequeme Themen hervorrufen. Viel wichtiger ist, mit wem sich Max und sechs andere abends im Kino eingecheckt haben. Es ist nun mal ein Vielfaches einfacher, sich zügig in Banalitäten zu flüchten. Eigentlich sprechen wir hier von einem Phänomen. In allen Lebenslagen, sei es im Beruf, der Persönlichkeit, bei der Autowahl oder den Urlaubsreisen wollen wir uns stetig weiterentwickeln, Veränderungen erleben und uns fortbilden. Nur beim Thema Sex in einer Langzeitbeziehung geht das Ganze schleppend voran. 

Das soll ja nicht heißen, dass niemand mehr etwas ausprobiert, aber gerade Pärchen in einer langen Beziehung oder einer Ehe haben oftmals auch nicht mehr die Zeit dazu. Sagen wir mal so, sie nehmen sie sich nicht mehr. Scheint ja alles toll wie es ist. Und doch wird ein Teil der Beziehung irgendwann unglücklich mit der Situation. Meist ist es aber schon zu spät, die Karten auf den Tisch zu legen und seinen Partner oder seine Partnerin damit zu konfrontieren. Sowieso wurde nur selten - vielleicht zu Beginn der Beziehung - mal darüber gesprochen, ob einem dies oder jenes gut gefällt. Die häufige Wahrheit aber ist, jeder Partnerteil entwickelt sich sexuell für sich alleine weiter, ohne den anderen mitzunehmen. 

So entstehen für jeden seine ganz eigenen Fantasien, die man nach so langer Zeit des Nicht-miteinander-kommunizierens auch nicht einfach nachträglich vorschlagen oder in das Liebesleben mit einbauen kann. Was übrig bleibt ist der normale Sex und die Gefahr wird groß, dass sich einer von beiden vielleicht mal in ein Abenteuer stürzt, weil er glaubt dort etwas zu bekommen, was er zuhause nicht für möglich hält. Im Grunde ist das falsch und ungerecht dem anderen gegenüber, da man nie versucht hat diese offenen Gespräche zu führen - eben weil man sich so gerne um andere banale Themen kümmert anstatt mal über sich und seinen Partner nachzudenken.

Die Ausreden sind schnell gefunden: Zu viel Stress im Beruf, die Kinder, Kopfschmerzen, Müdigkeit, zu viel gegessen, getrunken, keine Zeit, keine Lust. Wenn das wirklich alles zutreffen würde übers Jahr, hätten wir ein ziemlich trauriges Leben. Gehen wir mal mit der Zeit, machen wir einen Termin für Sex mit unserem Partner aus. Zugegeben, das hört sich zu Beginn vielleicht etwas unromantisch an, aber glaubt mir es ist effektiv. Wir machen doch für jeden Scheiß Termine aus. Warum also nicht einen für unser Wohlbefinden. Einen Termin, auf dem man sich freuen kann. Der einem Lust auf den anstehenden Tag macht. An dem man alles andere nach hinten stellt. 

Die Kinder falls vorhanden versorgen, seine persönliche Checkliste bis zu dem Tag abarbeiten, damit man im Kopf gelöst ist. Ganz wichtig: Sich Zeit nehmen für das Ereignis. Mindestens vier Stunden lang. Mal wieder mit einer Massage beginnen, den Körper seines Partners mit Küssen erkunden, vielleicht die eine oder andere Fantasie ausprobieren (jeder soll einen Vorschlag machen). Zwischendurch einen kleinen Snack nackig im Bett zu sich nehmen, damit wieder Energie in den Körper kommt. (Damit sind nicht Taccos mit Chilli-Cheese-Sauce gemeint, sondern vielleicht ein paar Vitamine.)

Ich verspreche, wenn man sich etwas in den Terminkalender einträgt schaut man jeden Tag darauf, man freut sich richtig und zählt die Tage und Stunden. Besser noch, man tarnt die ganze Nummer mit einem Titel wie "Elternabend", "Wellnesstag" oder "Fortbildung". Ungünstig ist, wenn man "Sextag" oder "Oide Schnaxeln" schreibt - macht sich jetzt nicht so gut als Termineintrag.

Probiert es einmal aus, es macht nicht nur wahnsinnig Spaß und bringt neue Impulse im Bett, sondern nach langer Zeit kribbelt es mal wieder ordentlich zwischen euch!

Allerliebst,

Anonymous Lover & Loverin

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